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Kuchen für die Gassenküche

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Selbstgebackene Kuchen, engagierte Jugendliche und ein sinnstiftender Anlass: Beim Erlebnisprogramm der 8. Klasse in der Kirchgemeinde Gossau-Andwil wird fleissig Teig gerührt – und dabei erst noch ein Beitrag für Menschen in schwierigen Lebenslagen geleistet.

„Cool, jetzt kommen da noch die Streusel drauf!“ – Die Begeisterung ist spürbar an diesem Abend in der Küche des Gemeinschaftshaus Witenwis in Gossau-Andwil. Vier Kuchen sollen entstehen, gebacken von Jugendlichen im Rahmen des Erlebnisprogramms, das auf dem Weg zur Konfirmation absolviert wird. Mit dabei sind Damian, Leonie und Andrin, alle in der 8. Klasse. Unterstützt werden sie von der Jugendarbeiterin Brigitte „Tschigi“ Süess – ein Name, der bei so viel Backen fast schon Programm ist.

Eine gute halbe Stunde nach Beginn stehen bereits zwei Kuchen im Ofen und verbreiten einen feinen Duft. Damian und Leonie lesen konzentriert Rezepte, stellen zwischendurch Fragen wie: „Soll ich jetzt schon die Glasur machen?“ und arbeiten ansonsten erstaunlich selbstständig. Tschigi steht ihnen zur Seite, gibt Tipps und greift nur ein, wenn es nötig ist – etwa, als ein Ei im Karton zerbricht. „So ein Kack!“, entfährt es ihr, doch das kleine Missgeschick ist schnell behoben, und schon ist die Stimmung wieder ruhig und konzentriert, aber gleichzeitig auch locker. Immer wieder wird nachgefragt: „Tschigi, ist das gut so?“ – „Nein, alle Streusel drauf, das ist das Beste vom Ganzen!“, antwortet sie lachend. Und während der Mixer lautstark arbeitet und Damian Zitronen auspresst, geht bald schon der nächste Kuchen in den Ofen.

Der Anlass für das abendliche Backen ist ein besonderer: Die Kuchen sind für die Gassenküche in St. Gallen bestimmt. Am nächsten Tag besucht die 9. Klasse im Rahmen eines Konf-Ausflugs verschiedene Orte in St. Gallen, an denen Kirche konkret erfahrbar wird – darunter auch die Gassenküche. Für die Jugendlichen sei dieser Besuch jeweils sehr eindrücklich und auch berührend. Sie erhalten eine Führung und bekommen Einblick in Lebensrealitäten von Leuten «mit einem riesigen Rucksack», so Tschigi. Die Idee zum Kuchenbacken hatte sie, weil in der Gassenküche selbstgemachte Kuchen sehr geschätzt werden. „Backen können unsere Teenies, es ist nicht kostspielig, und man tut etwas Gutes!“. Für die Jugendlichen von heute Abend sind die Beweggründe unterschiedlich: Damian und Leonie backen auch zuhause gerne und geniessen die gemeinsame Zeit. Andrin hingegen gibt offen zu: „Ich mache das wegen der Punkte – meine Mutter hat mich angemeldet.“ Trotzdem arbeitet auch er konzentriert mit.

Abende wie dieser hält Tschigi für besonders wertvoll: „Hier entsteht Beziehung, das sind meine Leute!“ Seit 2017 arbeitet sie für die Kirche in Gossau-Andwil und kennt viele

der Jugendlichen und ihre Familien oft schon seit Jahren. Die Vertrautheit schaffe eine Basis, die vieles erleichtere. Beim Kuchenbacken selbst gibt sie bewusst keinen inhaltlichen Input – hier steht die erlebte Gemeinschaft im Zentrum. Und die funktioniert: Die Jugendlichen fühlen sich wohl, kommen ins Gespräch, lachen zwischendurch und arbeiten Hand in Hand. Sogar ein jüngeres Kind, das zufällig vorbeikommt und mitmachen möchte, wird spontan integriert.

Am Ende stehen vier Kuchen auf der Arbeitsfläche, jetzt nur noch dekorieren und die Küche wieder in Ordnung bringen. Und das Lob für das gelungene Backwerk? Das wird am nächsten Tag einfach weitergeleitet.

Text: Julia Sutter, Bilder: Jana Mendez

Publiziert: Mai 2026

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